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Sterneköchin statt Chaos-Queen

Julia Komp ist die jüngste Sterneköchin Deutschlands. Darauf ist sie – zu Recht – wahnsinnig stolz. Bis dahin war es jedoch ein harter Weg geprägt von viel Arbeit, wenig Freizeit und kaum Privatleben. Disziplin hat sie unter anderem in der Köche-Jugendnationalmannschaft des VKD gelernt.

Julia Komp ist die jüngste Sterneköchin Deutschlands. Foto: Philippe Arlt

 

 

„Manchmal gibt‘s in der Küche echt harte Tage. Da frag‘ ich mich schon: Wie soll ich das überleben? Aber dann kommt das Feedback von den Gästen – dass es ihnen wunderbar geschmeckt hat, dass sie eine Geschmacksexplosion erlebt haben. Das gibt mir Motivation für den nächsten Tag, immer weiter zu machen.

 

Schon in der achten Klasse wollte ich Köchin werden. Oma und Opa haben mich immer mitgenommen in schöne Hotels, wo es richtig gutes Essen gab. Da ist mir bewusst geworden, dass man mit Essen Menschen glücklich machen kann. Das wollte ich auch. Nach meinem Abitur habe ich meine Ausbildung im Kölner Gourmet-Restaurant Zur Tant gemacht. Das war richtig hart, ich habe so viel gearbeitet, auch am Wochenende, habe viele Wettbewerbe mitgemacht, hatte nur selten frei. Ich durfte schnell viel Verantwortung übernehmen. Das hat sich natürlich auch aufs Privatleben ausgewirkt. Ich sag’s mal so: Die guten Freunde sind geblieben. 

 

Nach meiner Ausbildung arbeitete ich in Tunesien, Malaysisa, Singapur und weiteren asiatischen Ländern. Das hat meinen Stil geprägt. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland hatte ich Glück, dass ich eine Stelle im Vorstandskasino des TÜV Rheinland bekam. Dort habe ich eine kleine Küche in der großen verantwortet, habe jeden Tag drei Gänge gekocht, ab und an Azubis ausgebildet, denen ich meine Leidenschaft fürs Kochen weitergeben konnte. 

 

Während der Wettbewerbe nie geschlafen - aber auch nie gestritten

Für mich bedeutete dies erstmals feste Arbeitszeiten. Dank dem VKD durfte ich Mitglied der Jugendnationalmannschaft sein. Hier habe ich meine freie Zeit verbracht. Gemeinsam mit dem Team für das eigene Land zu kämpfen – das macht so stolz. Das war eine ganz besondere Erfahrung. In Costa Rica Moskau, Basel und zur Olympiade in Deutschland sind wir angetreten. Während der Wettbewerbe haben wir nie geschlafen, aber auch nie gestritten. Ich hätte auch Chaos-Queen werden können. Hier habe ich diszipliniertes Arbeiten gelernt. Ohne geht’s nicht im Team. Das habe ich auch bei meiner Station im La Poele d’Or gemerkt: Dort stand ich gemeinsam mit 15 Jungs in der Küche.

 

In all den Jahren war der Verband irgendwie immer da – angefangen bei den Wettbewerben während meiner Ausbildung und der Jugendnationalmannschaft. Dieses Netzwerk überall hin – davon profitiere ich. Ich hatte immer Spaß mit anderen Köchen – das ist bis heute so. 

 

Beruflich gesehen boomt es bei mir gerade so richtig. Vor einem Jahr wurde ich jüngste Sterneköchin Deutschlands. Dieser Erfolg kam so früh, damit habe ich gar nicht gerechnet. Nun muss ich mir neue Ziele setzen. Gerade freue ich mich, dass der Guide Michelin meinen Stern bestätigt hat. Das ist die Belohnung für die viele harte Arbeit in all den Jahren vorher. Ich habe ein Küchenteam mit sieben Mitarbeitern, davon ein Azubi. Für mich ist klar: Ohne mein Team hätte ich all das nicht geschafft.“

 

 

Julia Komp ist 28 Jahre alt und lebt in Köln. Ihr siebenköpfiges Team – „meine Bärchen“ (Zitat Komp) – im Schloss Loersfeld bei Kerpen fährt sogar gemeinsam in den Urlaub. Die gelernte Köchin kann ihr Team aber auch gut alleine lassen. „Ich weiß, dass alles läuft, auch, wenn ich mal nicht da bin.“